Historie

Der Ursprung der St. Sebastianus Schützenbruderschaft Balkhausen-Türnich lässt sich in unserer Heimat bis ins 15. Jahrhundert hinein nachweisen. In alten Flurkarten erscheint in einer Wiesengemarkung südwestlich des Schlosses Türnich der Name (Königsbenden), und damit sind Wiesenteile benannt, aus deren Erträgnissen die jeweiligen Schützenkönige einen Zuschuss zu den Kosten der Königswürde erhielten. So muss also schon im Mittelalter in unserer Heimat eine Schützenbruderschaft bestanden haben.

Schützenbruderschaft, das Wort in seiner ursprünglichen Bedeutung war eine Schutzgemeinschaft, Schutz von Heimat, Herd und Hof war allzeit Aufgabe der Schützenbruderschaften. In diesem Gedanken fanden sich im Mittelalter alle Stände des Volkes zusammen. Wenn es galt, die Heimat zu schützen, griff der Bauer zu seinem Arbeitsgerät, dem Beil, der Harke oder dem Dreschflegel, um sich gegen die wilden und plündernden Horden zu schützen. Konnte er aber der Übermacht nicht widerstehen, floh er in den Schutz der benachbarten Burg. Dann hieß es für jeden wehrhaften Mann: „Immer bereit sein zur Verteidigung und Gegenwehr.“ Diese Schutzbereitschaft führte beherzte Männer zur Schutzgemeinschaft zusammen und konnte sie wohl ein besseres Bild auf ihre Fahne heften, als das des hl. Kämpfers und Soldaten Sebastianus. So war es auch bei uns in den Jahren des 17. und 18. Jahrhunderts.

Bis zum Jahre 1903 hat hier eine Schützengesellschaft bestanden, deren Präsident Herr Graf Berghe von Trips auf Burg Hemmersbach war, und noch 205 Mitglieder zählte, was aus einem Festbuch der Schützenbruderschaft Zülpich, welches über 100 Jahre zurückliegt, zu ersehen ist. Der letzte Offizier war Landwirt Christian Möltgen (in Alt Balkhausen), Wegscheite später Schulstraße genannt. Der letzte Adjutant war Friedrich Wilhelm Natzheim, Gastwirt und Landwirt, Türnich, Breitestraße. Aus welchen Gründen die Gesellschaft damals ihre Tätigkeit einstellte, lässt sich urkundlich nicht mehr nachweisen.

So war es also gewissermaßen die Fortführung bzw. Neubelebung einer vorübergehend ruhenden Tradition, als sich am 27. Juli 1923 Männer im Gasthaus Baumann in Alt Balkhausen zur Neugründung der Schützengesellschaft zusammenfanden. Schon die Gründungsversammlung, die von ca. 50 Männern besucht war, ließ erkennen, dass der Gedanke zur Neubelebung der Schützengesellschaft tief im Volke verankert war. Man wählte einen Vorstand bestehend aus dem I. Vorsitzenden Wilhelm Wolf, dem II. Vorsitzenden Martin Reimer und dem Kommandanten Ludwig Reimer.

Gleichzeitig wurde mit der Beschaffung von Uniformen und Büchsen begonnen. Bereits am 20. Januar 1924 weihte man die Schützenfahne. Getreu ihrer Aufgabe nahm die Gesellschaft regen Anteil am Leben und Geschehen der Kirche bei Prozessionen, Bischofsbesuchen etc. Doch noch fehlte ein Schießstand. Opfersinn und Arbeitskraft der Schützen ließ ihn noch in demselben Jahre entstehen, so dass im August 1924 anlässlich der Kirmes das erste Schützenfest steigen und die Königswürde an einem Stand ausgeschossen werden konnte. Erster Schützenkönig wurde Martin Reimer. Die Mitgliederzahl wuchs und bei der Bevölkerung stand die Gesellschaft in gutem Ansehen.

Jäh wurden 1939 mit dem Ausbruch des 2. Weltkrieges Arbeit und Bestand der Schützengesellschaft zerstört. Uniformen, Büchsen und Munition mussten abgegeben werden. Zahlreiche Mitglieder wurden eingezogen, alles was mühsam aufgebaut worden war, zerfloss im Nichts. So standen wir denn 1945 genau da, wo wir 1923 begonnen hatten.

Doch wie heißt es so schön „Neues Leben blüht aus den Ruinen“. Diesmal war es Matthias Mock, der am 13. März 1948 mit einer kleinen Schar alter „Sebastianer“ die Arbeit wieder aufnahm und die Bruderschaft mit neuem Leben erfüllte. Im gleichen Jahre noch, gründete man auch eine Jungschützenabteilung, die aus 14 Jungschützen bestand und fleißig das Fahnenschwenken erlernten. Leider musste Matthias Mock schon nach zwei Jahren aus gesundheitlichen Gründen das Amt des I. Vorsitzenden niederlegen. Sein Nachfolger wurde Ludwig Reimer. Dank der unermüdlichen Arbeit des Vorstandes und der Schützen hatten sich 1950 schon 80 Mitglieder der Bruderschaft angeschlossen.

Von 1951 bis zu seinem Tot 1985 stand die Bruderschaft unter dem Protektorat des Herrn Reichsgrafen und Marquis Eugen von und zu Hoensbroech der im Schützenjahr 1953/1954 auch König der St. Sebastianus Schützenbruderschaft war.

Von 1955 bis 1957 waren Heinrich Knepper und von 1957 bis 1962 Albert Faas die 1. Vorsitzenden der Schützenbruderschaft. Von dem allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung Ende der fünfziger Jahre profitierten auch die Schützen durch stetigen Anstieg der Mitglieder. So konnte aufgrund der Eigeninitiative vieler junger Schützenbrüder und Fördermitglieder einen eigenen Sport und Schützenstätte gebaut werden.

Bis 1962 wurden alle Feste im und am Saale Schneider in Balkhausen gefeiert. 1963 wurde, unter dem neuen 1. Vorsitzenden Peter Köllen, zum ersten Mal das Schützenfest auf dem jetzigen Gelände gefeiert und die Majestäten auf dem neuen Hochstand ausgeschossen.

1970 übernahm Peter Klütsch senior das Amt des 1. Vorsitzenden zu diesem Zeitpunkt bestand die Bruderschaft aus ca. 30 aktiven Schützen, 20 Jung- und Schülerschützen und 70 inaktiven Fördermitgliedern. Das Verhältnis zu anderen Dorfvereinen wurde intensiver man unterstützte und besuchte sich gegenseitig zu den Festen. Und so konnte man 1983 unter der Schirmherrschaft von Peter Ganser das 400. jährige Jubiläum groß feiern.

Immer wieder wurden Verbesserungen und Erweiterungen am Schützenheim vorgenommen. So wurde 1976 eine neue Überdachung mit Grünanlage und Parkplatz fertig gestellt. Im Jahre 1979 erbauten die Schützen ihr kleines Heim mit Jugendheim und 6 Luftgewehrbahnen, die 1981 eingeweiht wurden. Die 4 Kleinkaliberbahnen wurden überdacht und der große Schützensaal wurde komplett von außen und innen renoviert. Im Jahre 1997 kam die letzte Umbaumaßnahme, der große Schützensaal wurde vergrößert, Toilettenanlagen angebaut, ein großer Kühlraum im Keller und eine Hausmeisterwohnung wurden in Eigenregie gebaut. 1999 war auch diese Baumaßnahme durch die Hilfe von fast allen aktiven aber auch sehr vielen Fördermitgliedern, Gönnern und Freunden abgeschlossen. In den letzten Jahren wurde eine Musikbühne gebaut und die Schiessanlagen mit Hochstand gemäß den neuen Vorschriften geändert.

Nach dem Tot von Peter Klütsch senior wurde im Jahre 2002 der Vorstand verjüngt und Peter Klütsch junior in das Amt zum 1. Vorsitzenden gewählt, 2014 wurde dieses Amt von Franz Hermann übernommen.

Einer Ende der neunziger Jahre folgenden Initiative „Schützen helfen“ werden alljährlich Spenden für einen guten Zweck gesammelt. Sie kommen ortsansässigen Vereinen, Kindergärten, Kircheneinrichtungen oder sonstigen Bedürftigen zugute.

Der Umsicht und der Arbeit aller Mitglieder aber auch der Unterstützung von Freunden, anderer Ortsvereine und Bruderschaften ist es zu verdanken, dass der Verein auf seine gute Vergangenheit zurückblicken kann.