St. Sebastianus Schützenbruderschaft

Balkhausen-Türnich von 1583 e. V.

Geistlicher Präses: Thomas Oster
Präsident: Franz Hermann



Schützen der St. Sebastianus Bruderschaft Balkhausen-Türnich
spenden Bilderstock zu Ehren der Heiligen Barbara



Vor zwei Jahren wollte der Balkhausener Bürger Wolfgang Heuser eine in seinem Besitz befindliche Barbarafigur der Allgemeinheit stiften. Daraus entstand die Idee gemeinsam mit unserer Bruderschaft, einen Bilderstock zu Ehren der „Heiligen Barbara“ auf dem kleinen Platz an der Einmündung Barbarastraße / Louisenthal zu errichten. Mit der hiesigen Bergbautradition stark verbunden, sollte mit der Schutzpatronin der Bergleute an die schicksalhafte Bedeutung des Braunkohlebergbaus für Balkhausen, Brüggen und Türnich und an die Herkunft der Barbarastraße in Balkhausen erinnert werden. Hier wurden vor etwas mehr als 100 Jahren Arbeiter, die auf Grube Louise beschäftigt waren, angesiedelt.

Die Schützenbrüder unserer Sebastianus-Bruderschaft kümmerten sich um die Genehmigung bei der Stadt und um die Organisation der erforderlichen Arbeiten: unsere eigenen Fachleute um Heinz Hoßdorf, von uns liebevoll „Stein auf Stein“ genannt, wurden ebenso aktiviert wie hiesige Handwerksbetriebe für das eine oder andere Gewerk - alles ehrenamtlich. Die notwendigen Materialien wurden über Spenden finanziert, sei es durch die Bruderschaft, sei es durch die Handwerksbetriebe oder auch durch Anwohner. So konnte im Oktober 2014 mit dem Fundament begonnen werden und danach sukzessive „Stein auf Stein“ der Bilderstock errichtet werden: Rohbau und Klinker, Namensschild aus Marmor, Dachstuhl und Kupfergibel-/dach, Verglasung und Gitter vor den Heiligenfiguren, Zuwegung mit Verbundpflaster waren die wesentlichen Bauphasen, an denen mancher Anwohner regen Anteil nahm und unsere bei jedem Wetter arbeitenden Schützen und Handwerker tatkräftig unterstützte.



So konnten wir Anfang 2015 die Einweihungsfeierlichkeiten planen. Am Samstag, dem 9. Mai 2015 um 15.00 Uhr war es soweit: Die Sonne schien, wir zogen in unserer Tracht mit klingendem Spiel zur Barbarastraße, wo wir von Pastor Thomas Oster von St. Rochus und von fast allen Anwohnern von Barbarastraße und Louisenthal sowie zahlreichen Gästen erwartet wurden. Der gemeinsame Treffpunkt: Der neu errichtete Bilderstock der Heiligen Barbara.
Unser Brudermeister Franz Hermann begrüßte die Anwesenden und stimmte sie mit einer der zahlreichen Legenden, die sich um das Leben der Heiligen Barbara ranken, auf die feierliche Weihe ein. Er dankte namentlich all jenen, die sich an der Planung, Organisation und Errichtung des Bilderstocks vom Tag der Idee bis zum Tag der Einweihung eingebracht hatten, vor allem den Handwerkern, zahlreichen Anwohnern und den Schützenbrüdern, insbesondere Heinz Hoßdorf für dessen unermüdlichen Einsatz. Er stellte ihr Handeln unter den Wahlspruch der Schützen „Glaube, Sitte, Heimat“.

Ortsvorsteher Dietmar Reimann, selbst Schützenbruder unserer Bruderschaft, hob in seinem Grußwort die Bedeutung dieses neu errichteten Bilderstocks als Symbol früherer Volksfrömmigkeit in Zeiten des Rückbaus von Kirchen und Kapellen hervor. Er würdigte das Entstehen als ein Beispiel von „Bürgersinn, wie ihn jede Gemeinschaft braucht“ und wünschte sich für die Zukunft, dass Spaziergänger hier einen würdigen Ort für das Gedenken an die vergangene Zeit und vielleicht auch für ein stilles Gebet vorfinden würden.



Wolfgang Heuser erläuterte, wie er in den Besitz der heiligen Barbara und auf die Stiftungsidee gekommen war, und erheiterte die Anwesenden mit zahlreichen, manchmal auch nachdenklich stimmenden Anekdoten aus seinem Berufsleben als Bergmann des hiesigen Reviers und seinen Kontakten zum polnischen Bergbau. Manche der anwesenden Kinder- und Enkelgenerationen wurden hier an Geschichten ihrer Großeltern erinnert, für die das Revier nicht nur Arbeitgeber war, sondern häufig stellvertretend für eine große Familie stand.

Anschließend weihte Pastor Thomas Oster den Bilderstock ein; in den Mittelpunkt seiner kleinen Andacht stellte er eine alte Fürbitte an die Heilige Barbara, niedergeschrieben in einem mehr als 100 Jahre alten Gebet- und Meßbuch, die u. a. schlesische Bergleute zur damaligen Zeit vor dem Einfahren in den Stollen gebetet haben:

1. Sankt Barbara, du edle Braut, mein Leib und Seel‘ sei dir vertraut. Sowohl im Leben als im Tod, komm mir zu Hilf‘ in aller Not.

2. Bitt‘, daß auch ich vor meinem End‘ empfang‘ das heil’ge Sakrament. Den bösen Feind von mir vertreib‘ und bis zum Ende bei mir bleib‘.

3. Wenn sich mein Seel‘ vom Leibe trennt, so nimm sie auf in deine Händ‘. Behüt‘ sie vor der Höllenpein und führ sie in den Himmel ein.


Bevor wir Schützenbrüder mit dem bekannten Bergmannslied „Glück auf, der Steiger kommt“ die Feierlichkeiten abrundeten und zum Schützenheim zurückmarschierten, lud Brudermeister Franz Hermann alle Anwesenden zu einem gemütlichen Ausklang in unser Schützenheim an der Ursfelder Straße ein. Dem folgten zahlreiche Gäste, die dann bei nicht nur einem Glas Kölsch das Erzählen von Geschichten und Anekdoten bis in den späten Abend fortsetzten.

Ein Fazit war, dass die „Sankt Sebastianus Schützenbruderschaft Balkhausen-Türnich“, gemeinsam mit dem Bergmann Wolfgang Heuser, mit der Errichtung des Bilderstocks zu Ehren der Heiligen Barbara dem Wahlspruch aller Schützen „Glaube, Sitte, Heimat“ im wahrsten Sinn des Wortes ein steinernes Denkmal in Balkhausen gesetzt und somit erneut ein starkes Zeichen für die Sinnhaftigkeit des Schützenbrauchtums in der heutigen Zeit gegeben hat.

Dietmar Reimann
05/2015